Flaschenpost aus der Vergangenheit

History of glass manufacturing

Jede Glasflasche, die wir öffnen, steht in einer Tradition, die Jahrtausende zurückreicht. Glas ist einer der ältesten Werkstoffe und eng mit Kulturgeschichte und Kulturtechniken verbunden. Glas findet Verwendung im Kunsthandwerk, in der Architektur, bei der Konservierung und Verpackung von wertvollen Lebensmitteln. 
Jede Glasflasche steht auch für eine Zukunftsentscheidung, denn Glas schützt die Umwelt und schont unsere Rohstoffquellen.

7000 bis 3000 v. Chr.

Die Geschichte des Glases beginnt nicht erst in Mesopotamien, wo Meister der Handwerkskunst im 3. Jahrtausend die technische Herstellung von Glas erfinden.
 Glas kommt in der Natur vor. Es bildet sich, wenn durch grosse Hitze Quarzsand schmilzt und die geschmolzene Masse abkühlt. «Erstarrte Flüssigkeit», das ist Glas. Blitzschläge bringen solche hohen Temperaturen mit sich, aber auch Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge. Auf diese Weise entstehen die glasigen Gesteine Fulgurit, Obsidian und Tektit.


Schon im Neolithikum (Jungsteinzeit), also etwa 7000 v. Chr., verwendeten die Menschen Glas als Werkzeug. Sie erkannten die hervorragenden Eigenschaften der glasigen Gesteine aus der Natur. Die scharfen Schnittkanten des Obsidians beispielsweise eigneten sich für Keile und Schaber.

1500 v. Chr.

Um 1500 v. Chr. stellen die Ägypter die ersten hohlen Glasbehälter her, die als Salben- oder Ölbehälter dienen. In der Münchener Sammlung ägyptischer Kunst steht heute das älteste datierte Glasobjekt: ein zarter Kelch aus hellblauem Glas.

© Bild: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst

658 v. Chr.

Aus der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal ist das erste bekannte Rezept zur Glasherstellung in der Geschichte überliefert: «Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen und fünf Teile Kreide.»
Diese Rezeptur aus dem Jahr 658 v. Chr. ist seit zweieinhalbtausend Jahren ungeschlagen. Quarzsand, Pottasche und Kalk ergeben den natürlichen, undurchlässigen, formbaren und beständigen Rohstoff Glas.

100 v. Chr.

Um 100 v. Chr. ereignet sich in einer Glashütte an der syrischen Küste eine technische Revolution:

Ein heute unbekannter Glasmacher erfindet die Glasmacherpfeife. Sie besteht aus einem 1,20 bis 1,60 Meter langen Rohr mit einem Mundstück an einem Ende. Mit dem anderen nimmt der Glasbläser geschmolzenes Glas auf, dreht, wälzt und marbelt die abkühlende Masse herum und bläst Luft hinein. Nun können die Glasmacher auch dünnwandige Gläser herstellen und in die verschiedensten Formen blasen. Einhundert Jahre später entstehen im Römischen Reich bereits luxuriöse Gläser mit aufwendigen Dekoren.

11. Jahrhundert


Ab dem 11. Jahrhundert wird Venedig das Zentrum abendländischer Glasmacherkunst. Besonders in der Herstellung und Verarbeitung von reinem Kristallglas erreichen die Flaschenmacher, die «phioleri di Murano» unerhörte Meisterschaft und entwickeln den Stil des verfeinerten Renaissance-Glases in venezianischer Glastradition.

12. Jahrhundert

Vereinzelt konnten schon die Ägypter Fensterglas herstellen, aber mit dem Prinzip des Mondglases kommt endlich Licht in die Schlösser und Kathedralen der Gotik. Die Glasbläser formen Glaskugeln zu flachen Tellern und setzen deren Mittelstücke mit Blei zu grösseren Flächen zusammen.

1688

In der französischen Stadt Saint Gobain giessen Glasmacher erstmals geschmolzenes Glas auf einen Tisch und bearbeiten die Masse mit einer Walze, wodurch sie eine gleichmässige Dicke erzielen. Ideal für die Herstellung von Spiegeln, mit denen der Adel seine Rokoko-Paläste schmückt!

1867

Im Jahr 1867 stellt Friedrich Siemens eine technische Neuerung vor, die die Industrialisierung der Glasproduktion beschleunigt: den kontinuierlichen Wannenofen. Diese Wannen bestehen auch heute noch aus der Schmelz- und der Arbeitswanne und werden ohne Unterbrechung Tag und Nacht betrieben. Ein Meilenstein für die maschinelle Produktion von Glasverpackungen.

1903

Der Amerikaner Michael J. Owens erfindet die vollautomatische Flaschenblasmaschine, eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Sie arbeitet im Saug-Blas-Verfahren, das heisst die Glasmasse wird in die Metallform eingesogen und automatisch abgeschnitten. 2.500 Flaschen pro Stunde lassen sich mit diesem Wunderwerk produzieren.

1925

Im Jahr 1925 melden die Ingenieure Ingle und Smith das Patent auf die IS-Maschine an. Sie stellt Hohlglas mit dem Verfahren der Blas-Blas-Technik her, eine Produktionstechnik, die bis in die Gegenwart angewendet wird. Ein Tropfen wird in einer Metallform vorgeblasen, der vorgeformte Tropfen in eine zweite Form geschwenkt und dort fertig geblasen.

Gegenwart

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steigert vor allem die Einführung elektronisch gesteuerter Maschinen das Produktionsvolumen in der Glasherstellung. Neue Verfahren zur Fertigung von Leichtglas tragen zum Umweltschutz bei und schonen unsere Energiequellen.


Glas ist ein fester Bestandteil unserer Lebenswelt. Es findet Anwendung in den Bereichen Forschung, Kommunikationstechnologie, Architektur und Solaranlagen. Glas ist das ideale Verpackungsmaterial für Getränke, Lebensmittel und Kosmetika.